Geschichte der AG

Die Assistenzgenossenschaft Bremen kann mittlerweile auf eine 25 jährige Unternehmensgeschichte zurückblicken. Sie ist von einem kleinen selbstorganisierten Unternehmen zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen herangewachsen ohne ihre Geschichte und Gründungsziele zu vergessen. Mittlerweile ist die „AG“ ein mittelständischer Arbeitgeber mit einem breit gefächerten Dienstleistungsangebot und gefestigten Organisationsstrukturen.

Der Beginn:

Die Assistenzgenossenschaft als "Ein Kind der Behindertenbewegung ..."

Mit der Gründung der Krüppelgruppe Ende der 1970er Jahre in Bremen wurde auch der Grundstein für die Selbstbestimmt-Leben-Bewegung gelegt. Hier fanden sich behinderte Menschen zusammen, um sich über ihre Rolle in der Gesellschaft klar zu werden, ein eigenes Selbstbewusstsein zu entwickeln und die Kraft zu finden, sich gegen Unterdrückung und fehlende Gleichberechtigung zur Wehr zu setzen.

Hierzu fanden auch zahlreiche Demonstrationen statt, wie beispielsweise Blockaden der öffentlichen Verkehrsmittel, um auf die mangelnden Möglichkeiten der Mobilität behinderter Menschen aufmerksam zu machen. Der bundesweit organisierte Protest gegen das UNO - "Jahr der Behinderten" 1981, genannt das "Jahr der Behinderer", so wie ein Hungerstreik in der Bremer Bürgerschaft gegen die drastische Kürzung des Behindertenfahrdienstes bildeten vorläufige Höhepunkte des Widerstandes behinderter Menschen gegen eine aussondernde Gesellschaft. Früh begann sich abzuzeichnen, dass es nicht ausreichte, neue Gesetze zur Gleichstellung behinderter Menschen zu erstreiten, sondern dass diese Unterstützung dabei benötigten, um ihre Rechte einzuklagen und auch umsetzen zu können. Es entstand die Idee einer Beratungsstelle, in der Behinderte andere Behinderte solidarisch beraten und in ihrer Selbstbestimmung stärken und unterstützen sollten. Als Ergebnis vieler Diskussionen wurde im November 1986 die Beratungsstelle Selbstbestimmt Leben eröffnet, bundesweit die erste ihrer Art.

Durch die Beratungsarbeit wurde schnell klar, dass in Bremen eine selbstbestimmte Lebensführung für Menschen, die im Alltag auf Hilfen - wie Grundpflege, Hilfen im Haushalt und Mobilitätshilfen - angewiesen waren, kaum möglich war. Die Träger, die solche Hilfen anboten, waren weniger an der Selbstbestimmung behinderter Menschen als am reibungslosen Ablauf und optimalen Einsatz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter interessiert. Die Machtstrukturen waren hier ähnlich aufgebaut, wie in stationären Einrichtungen.

Auf diesem Hintergrund wurde die Assistenzgenossenschaft von behinderten Menschen selbst entwickelt, die mit ihrer demokratischen Struktur die Selbstbestimmung der Nutzerinnen und Nutzer Persönlicher Assistenz sicherstellen sollte. Im Oktober 1990 kam es schließlich zur Gründung der Assistenzgenossenschaft und kurze Zeit später wurde der Geschäftsbetrieb aufgenommen.

Die Jahrtausendwende:

Die Assistenzgenossenschaft ist "... den Kinderschuhen entwachsen"

Die „AG“ hat sich als feste Größe in der Soziallandschaft Bremens als anerkannter ambulanter Pflegedienst der Persönlichen Assistenz etabliert. Sie entwickelt sich zu einem großen Leistungsanbieter und gewinnt stetig neue Assistenznehmerinnen und Assistenznehmer hinzu.

Mit Wechsel des Jahrtausends wurde zusehends deutlich, dass sich die „AG“ in ihren inneren und äußeren Strukturen veränderte und vergrößerte. Ein Wandel der „AG“ wurde notwendig und vollzog sich.

Die Geschäftsstelle der Assistenzgenossenschaft Bremen hatte ihren Sitz über viele Jahre im Philosophenweg. Durch die Gewinnung neuer Assistenzen, die Einstellung neuer Mitarbeiter/innen und die Vielfalt von Arbeitsgruppen, Gremien und Praxisbegleitungen reichten diese Räume nicht mehr aus, so dass wir uns nach größeren und flexibleren Geschäftsräumen umsehen mussten.

Am 01. Juli 2006 verließ die Assistenzgenossenschaft Bremen ihre "Kinderstube" und bezog ihre neuen, größeren und helleren Räume in der Bornstraße!

Die Gegenwart:

Die Assistenzgenossenschaft „auf dem Weg zu neuen Ufern…“

Mit dem Wandel der Soziallandschaft, der Diskussion weg von Integration und hin zu Inklusion sowie der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention wurde auch die „AG“ mit neuen Aufgaben konfrontiert.

Es wurde der Bereich „Assistenz in Schulen“ aufgenommen und als festes zweites Standbein der „AG“ ausgeweitet. Weiterhin werden Überlegungen umgesetzt, auch behinderten Menschen mit Beatmungspflegebedarf, die Anspruch auf sogenannte Leistungen der Individuellen Schwerstbehindertenbetreuung haben/hätten, eine selbstbestimmte Lebensweise in der eigenen Wohnung nach unserer Philosophie zu ermöglichen. Des Weiteren sollen die (Fort-) Bildungsmaßnahmen in der Persönlichen Assistenz für alle Bereiche und Mitarbeiter sowie auch für alle Assistenznehmerinnen und –nehmer ausgeweitet werden.

Im Jahr 2015 konnte die „AG“ auf einem Senatsempfang im Bremer Rathaus auf ein Vierteljahrhundert Unternehmensgeschichte zurückblicken und ist sehr stolz darauf!

Die „AG“ ist heute der mit Abstand größte Assistenzanbieter in Bremen und einer der größten bundesweit. Damit ist sie einer der größten Arbeitgeber im Sozialbereich Bremens. Sie arbeitet eng mit den senatorischen Behörden zusammen und nimmt auch weiterhin an sozialpolitischen Zielentwicklungen und Diskussionen teil. Sie ist ein moderner und angesehener Assistenzdienstleister mit eigenem Tarifvertrag und hohen Qualitätsansprüchen, der sich den neuen Anforderungen der Soziallandschaft sowie den heutigen Bedürfnissen neu hinzugewonnener Assistenznehmerinnen und –nehmer stellt. Die Zukunft der „AG“ und ihrer Assistenznehmerinnen und –nehmer kann kommen.